(FE) Wir wissen nur wenig von dieser Frau. Nur so viel: sie hat eine Tochter, die schwer erkrankt ist. Sie erhofft die Heilung ihrer Tochter. Sie glaubt, dass Jesus sie heilen kann. Sie stammt aus einer der Hafenstädte am Mittelmeer, die von den seefahrenden Phöniziern gegründet und besiedelt wurden. Aus jüdischer Sicht war sie damit eine Fremde – fremde Kultur, fremder Glaube, fremde Religion.
Und schließlich, sie schafft es, Jesus in Verlegenheit zu bringen. Sie bringt Jesus in einen Konflikt, der Fragen von zutiefst menschlicher Bedeutung berührt: wo zieht er die Grenze? Wem gehört seine Liebe, seine Aufmerksamkeit, seine Solidarität? Gehört sie nur dem Eigenen, Verwandten, Vertrauten oder muss er nicht auch Grenzen überschreiten, um nicht seine Menschlichkeit zu verlieren?
Die Frau aus Syrophönizien wirft damit Fragen auf, die in den biblischen Büchern immer wieder vorkommen und uns bis in die Gegenwart beschäftigen. Wie gehen wir mit Fremdem um? Wie ziehen wir Grenzen, ohne unsere Menschlichkeit zu verlieren? Welche Antwort findet Jesus in der Begegnung mit dieser fremden, mutigen Frau?
