Kirchen - "Edewecht Evangeliar"

 

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Ein Projekt des Ökumenischen Arbeitskreises der christlichen Kirchengemeinden in Edewecht zum "Jahr mit der Bibel"
 
 
Eine Bibel gibt es in fast jedem Haushalt. Manchmal intensiv benutzt; oft aber auch ein wenig verstaubt und vergessen - irgendwo in einem Winkel des Bücherregals. Zum Jahr mit der Bibel 2003 hat der Ökumenische Arbeitskreis Edewecht dazu aufgerufen, diese verborgenen Schätze wiederzuentdecken: Gemeinsam haben wir in der Zeit von Januar bis Mai 2003 ein "Edewecht-Evangeliar" erstellt: Ein handgeschriebenes Buch mit allen vier Evangelien aus der Bibel - ein Buch, an dessen Abschrift viele hundert Edewechterinnen und Edewechter mitgearbeitet haben. Die Bibeln in unseren Haushalten waren dazu die Vorlage.
Von der Bürgermeisterin bis zu den Edewechter Schulen, von den Jugendlichen im kommunalen Jugendzentrum bis zu den Messdienern in der katholischen Kirche, von Konfirmanden bis zu Seniorenclubs, von Gemeindekirchenräten bis zu offenen Jugendtreffs - ca. 600 Menschen haben sich an der Schreibarbeit beteiligt. Da steht die ungelenke Handschrift eines Grundschülers neben den gestochenen Sütterlin-Buchstaben einer alten Dame; auf einigen Blättern tritt uns das schnörkellose Gegenwartsdeutsch der "Gute Nachricht"-Bibelübersetzung entgegen, auf anderen Blättern der alte Klang einer Lutherbibel aus dem 19. Jahrhundert. Auf einem Blatt findet sich sogar der Zusatz, diese Zeilen seien aus einer Bibel abgeschrieben worden, die den Vater des Schreibers durch zwei Weltkriege begleitet habe. Zum geradezu zeitgeschichtlichen Zeugnis wird das "Edewecht-Evangeliar" durch einige Blätter, die beim Brand im katholischen Gemeindezentrum eingerußt wurden. Bewusst wurde daher darauf verzichtet, diese Blätter noch einmal neu abzuschreiben.
Im ökumenischen Zeltgottesdienst am 11. Mai brachten Vertreter einer jeden Gemeinde die jeweils betreuten Abschriften nach vorne zum Altar: Aus der Ev.-luth. Gemeinde kam das Matthäusevangelium, die Baptisten brachten das Markusevangelium, von den Katholiken kam das Lukasevangelium und die Methodisten übergaben das Johannesevangelium. Jede "Übergabe" eines Bibelteils stand unter einem bestimmten Sinnspruch aus dem jeweiligen Evangelium.
Schließlich wurden die Blätter zu einem dicken Buch gebunden. Auf dem Buchdeckel findet sich eine Kupferprägung, die von Frau Steinbrink gestaltet wurde. Am 29. Juni kam das Evangeliar gleich auf einer Großveranstaltung zum Einsatz: Beim Eröffnungsgottesdienst des regionalen Kirchentages im Ammerland in Bad Zwischenahn wurde die Lesung aus dem "Edewecht-Evangeliar" vorgenommen.
Nun wird das Evangeliar ein Jahr lang abwechselnd in unseren vier Kirchengemeinden zu den Lesungen im Gottesdienst verwendet. Viermal kommen Christinnen und Christen aus einer Gemeinde mit dem Evangeliar in eine andere Gemeinde, um es ganz offiziell weiterzureichen. Auf diese Weise wollen wir unsere ökumenische Verbundenheit unter dem Wort Gottes deutlich machen.
 
 

Termine:
  • 29. Juni 2003: Edewecht-Evangeliar auf dem regionalen Kirchentag des Ammerlandes in Bad Zwischenahn.
  • 13. Juli bis 4. Oktober 2003: Evangeliar in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Edewecht
    • 13. Juli, 10.00 Uhr: Überbringung des Evangeliars in die Martin-Luther-Kirche Süddorf
    • 7. September, 10.00 Uhr: Evangeliar zum Gottesdienst in der Kapelle Scheps
    • 7. September, 16.30 Uhr: Evangeliar zum Gottesdienst anlässlich des Jubiläums des Bücherkellers Edewecht in der St.Nikolai-Kirche zu Edewecht.
    • 21. September 2003, 9.30 Uhr: Evangeliar im Ökumenischen Zeltgottesdienst zum Herbstmarkt und zur Eröffnung der Ausstellung Edewechter Bibeln im Rathaus.
  • 5. Oktober 2003 bis 17. Januar 2004: Evangeliar in der Katholischen Kapellengemeinde St. Vinzenz Pallotti zu Edewecht
      • 5. Oktober, 10.00 Uhr: Überbringung des Evangeliars in die katholische Kirche St. Vinzenz Pallotti.
  • 18. Januar bis 13. März 2004: Evangeliar in der Evangelisch-Methodistischen Christuskirche
      • 18. Januar, 10.00 Uhr: Überbringung des Evangeliars zum Abschlussgottesdienst der Allianz-Gebetswoche in der Christuskirche
  • 14. März bis Sommer 2004: Evangeliar in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) in Jeddeloh I:
      • 14. März 2004, 10.00 Uhr: Überbringung des Evangeliars zum Gottesdienst in der Baptistenkirche Jeddeloh (im Zusammenhang mit der Ökumenischen Bibelwoche).


Ziele:
  • Indem jeder "seine" Textpassage aus seiner eigenen Bibel abschreiben konnte, wurden die "verborgenen Schätze" in so manchen Bücherregalen wiederentdeckt. Nebenbei entstand durch die Vielzahl der verwendeten Übersetzungen, die so in das Edewecht-Evangeliar eingeflossen sind, ein echtes Unikat.
  • Durch die Überbringung des Evangeliars von Kirche zu Kirche zeigen wir unsere ökumenische Verbundenheit über Konfessionsgrenzen hinweg.

Auf dem von Waltraud Steinbrink gestalteten kupfernen Buchdeckel sind zwischen den Armen des Kreuzes die vier Evangelisten zu erkennen: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

Kurz vor dem Osterfest 2003 brannte es in der katholischen Kirche. Die Blätter, die dort gesammelt wurden, trugen erkennbare Rußspuren davon....

Einige Blätter wurden in Schönschrift (Kalligraphie) mit reich verzierten Anfangsbuchstaben (Initialien) geschrieben: Hier die Weihnachtsgeschichte nach Lukas.

Eine Konfirmandin hat einen beliebten Konfirmationsspruch abgeschrieben: "Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan."...

 
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Eine Aussiedlerin hat zweisprachige Blätter auf Deutsch und Russisch erstellt...

"...de harren al lang in Sack un Aske seten..." - So klingt die Bibel auf Plattdeutsch....

Eine ältere Dame hat ihren Text in gestochener Sütterlin-Schrift abgeschrieben.

Manches ganz besondere Erinnerungsstück diente als Vorlage: "Obige Verse sind aus dieser Bibel. Mein Vater hatte sie als Soldat während beider Weltkriege bei sich."...

 

08.02.12