Zur Geschichte der Edewechter Glocken findet sich HIER (Edewechter Fragmente 07) eine ausführliche Darstellung
Die älteste Edewechter Glocke hängt im Glockenturm von Golzwarden(Gemeinde Ovelgönne). Sie stammt aus dem Jahr 1440; die Ratsleute des Hl. Nikolaus gaben sie unter dem damaligen Edewechter Kirchherrn Johann WINNEPENNINCK in Auftrag.
"Maria
bin ick gheheten -
de van Edewecht hebbt mi laten gheten
ANNO DOMINI MCCCCXL
Santo nicolao patrono +
help got ut aller not +
wi ene wheten nich wissers
wen den dor +
got ghewe sinner sele rat +
de my ghegaten hat +
ghert Klinghe "
"Maria bin ich geheißen - Die von Edewecht haben mich lassen gießen im Jahre 1440 - Dem Patron St. Nikolaus hilft Gott aus aller Not - Unser einer weiß nicht, wann der Tod (kommt) - Gott gebe seiner Seele Rat, dem, der mich gegossen hat. Gert Klinghe"
Marienglocken des Oldenburger Landes wurden zu einem großen Teil von dem Bremer Glockengießer Gerd KLINGHE geschaffen, der von 1433 bis 1474 lebte und während des Mittelalters als der berühmteste Glockengießer Norddeutschlands galt. Seine Glocken zeichnen sich durch reichen Schmuck von Weinranken und hohe Schrifttypen aus. Daneben befinden sich auf dem Glockenkorpus Bilder der Gottesmutter und auf der Edewechter Glocke ein Bild des Hl. Nikolaus.
Wie die Edewechter Glocke in die Wesermarsch kam, bleibt im Halbdunkel der Geschichte. Um 1538 trieben die Landsknechte des Bischofs von Münster die Oldenburger Grafen zurück in die Festung Oldenburg, wandten sich dann westwärts und steckten auf dem Weg nach Apen Edewecht in Brand. Pastor KRUSE berichtet in seinem Testament, dass die Edewechter Bürger offenbar Geld gaben, damit wenigstens eine Glocke behalten werden konnte. Diese entsprach vermutlich der von den Landsknechten nach Golzwarden verkauften. Sie wurde 1804 - gerissen - in die jetzt noch vorhandene BETGLOCKE umgegossen.
Die BETGLOCKE von 1804
Glockeninschrift:
"Unter der Regierung des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn Peter Friedrich Ludwig, Erben zu Norwegen, Herzog zu Schleswig-Holstem, Storman und den Ditmarschen, Fürsten zu Lübeck, Herzogen und Regierenden Administrators zu Oldenburg ist diese Glocke der Kirche zu Edewecht 1804 in Vechta gegossen worden von Alysius Petit. - Die Kirchenoffiziellen waren Lieutnant Georg Nidas v. Lindelof, Amtsvogt in der Vogtei Zwischenahn, Pastor Thomas ZWERG, Prediger der christlichen Gemeinde zu Edewecht, Hinrich Hinrichs, Johann zu Jeddeloh, Kirchengeschworene hierselbst."
Die Betglocke hat einen Durchmesser von 132 cm und ist auf den Ton dis +1/2 gestimmt.
Während des letzten Krieges mussten zahlreiche Kirchenglocken abgeliefert werden, um sie in Kanonen umzuschmelzen. Auch die große 1550 kg schwere Edewechter Betglocke war für den Abtransport zur Sammelstelle nach Hamburg bestimmt. Der Edewechter Zimmermeister Johann FINKE aber ließ sie unberührt im Turm hängen und lieferte statt ihrer "versehentlich" die kleinere Schlagglocke ab. Sie wurde mit den Angaben der großen Schwesterglocke, also mit falschen Begleitpapieren auf den Transport geschickt. Von dem "Kanonenguss" blieb sie verschont, kam allerdings nicht nach Edewecht zurück.
So blieb die große Glocke zwar vor der Ablieferung bewahrt, stürzte aber vom Turm herab, als der im April 1945 in Flammen aufging. Nach dem Krieg barg aus den Trümmern. Trotz ihres 30 Zentner schweren Gewichts hatte sie den Sturz aus etwa 5-6 Meter Höhe gut überstanden. Bis auf die Aufhängevorrichtung und einige leichte Beulen blieb sie unbeschädigt.
Nach ihrer Ausbesserung fand sie im Jahre 1950 im neuerrichteten Glockenturm wieder ihren Platz; neben ihr hängt eine Marienglocke aus Stolp in Pommern.
Die MARIENGLOCKE von 1483
Ihr auf dem Glockenhals in gotischen Kleinbuchstaben umlaufender Text lautet:
"anno domini millesimo quadri (quadringentesimo) help got unde maria unde alle gaden hilghen."
(Im 1483sten Jahr des Herrn, hilf Gott und Maria und alle guten Heiligen.)
Bei einem Durchmesser von 95,5 cm, hat sie ein Gewicht von 500 kg und schlägt in as+6.
Es ist dem persönlichen Einsatz des seinerzeitigen Edewechter Pastoren und Kreispfarrers Martin REINKE zu verdanken, der bis Kriegsende als Superintendent in Stolp/Pommern wirkte, dass der Kirchengemeinde als Ersatz für die 1940 abgelieferte und verschollen gebliebene SCHLAGGLOCKE, die aus dem Jahre 1483 stammende Stolper Glocke als Patenglocke überlassen wurde.
Die SCHIFFSGLOCKEN
Bevor der Glockenturm 1950 wieder aufgebaut werden konnte,
läuteten fünf Jahre lang zwei Schiffsglocken zu den Gottesdiensten in Edewecht, die
später einen Platz in Westerscheps fanden.
31.01.09