Anfang
des 20. Jahrhunderts wurden in verschiedenen heimischen Kirchen bei
Renovierungsarbeiten gotische Decken- und Wandmalereien aufgefunden.
Der aus Brake stammende Oldenburger Maler Wilhelm MORISSE wurde mit der
Restaurierung der 1904 in Zwischenahn, 1907 in Edewecht, 1908 in der
Gertrudenkapelle in Oldenburg, 1911 in der Vareler Stadtkirche und 1912 in der
Wildeshausener Alexanderkirche entdeckten Malereien beauftragt.
Nachdem 1907 in einem Deckengewölbe
der St.Nikolai-Kirche Farbspuren einer alten Malerei gefunden worden waren, nahm er die Restaurierung
dieser - wohl aus dem 15. Jahrhundert stammenden - Freskenmalereien vor.
"Marienkrönung"(über dem Altar) und "Weltgericht"(im
Mittelgewölbe) wurden von MORISSE - entsprechend der damaligen Auffassung von
Restaurierungen - nach eigenem Gutdünken wieder hergestellt und als
secco-Malerei ergänzt. Auch das Rankenwerk der Gewölberippen - wie auch die
Ornamente im Scheitel der Gewölbe - wurden nach originalen Mustern völlig neu
aufgetragen.
1959 verbesserte der Restaurator WEICKERT aus Bremen die Restaurierung von MORISSE.
1975 kam der Restaurator Jochen SEEBACH, Schloß Emkendorf
bei Rendsburg/Holstein, zu der Feststellung, dass große Partien der
"Marienkrönung" und des "Weltgerichts" bereits mehrfach -
teils in Trattegio, teils flächig - ergänzt worden waren. Die ursprünglichen
Gemälde in den Gewölbekappen waren so sehr bearbeitet worden, dass nicht von
einer gotischen Malerei, sondern eindeutig von einer Arbeit von MORISSE(1908)
gesprochen werden müsse.
Bei dieser Restaurierung wurde dann konsequenterweise gar nicht erst versucht,
einen früheren Zustand wieder herzustellen, sondern die Fassung von MORISSE
konserviert.
Die bislang letzte Restaurierung - allerdings ausschließlich der Marienkrönung - erfolgte im Frühjahr 2000 durch die Firma Ochsenfarth, Paderborn.
Bei der Restaurierung 1975/76 waren die Malereien mit
einem Kunstharz(Paraloyd®) überzogen worden. Vor allem die ungünstigen
Raumluftverhältnisse im Chor führten nun dazu, dass sich zusammen mit dieser
Beschichtung auch Teile der Malerei ablösten. Zudem hatte das Gewölbe in den
letzten 25 Jahren wieder erheblichen Schmutz angesetzt.

Für fast vier Monate war der gesamte Chorrraum eingerüstet.
Das Gerüst wurde - in Christo Manier - verhüllt.




Zunächst wurden die großen Gewölbefelder durch Frau Meinholz und Herrn Schlingmann sorgfältig gereinigt.
Im Bereich der aufgemalten Ranken war eine besonders vorsichtige Arbeitsweise notwendig, weil sich hier mit dem Schmutz auch Farbpartikel lösen konnten. Nach der das Gewölbereinigung wurden Risse geschlossen, Abplatzungen gefestigt und die so bearbeiteten Flächen neu gekalkt.
Im Bereich der "Marienkrönung" wurde zunächst die 1976 aufgetragene Schutzschicht aus Paraloyd® entfernt. Dabei stellte sich heraus, dass das Schadensbild doch nicht so eindeutig war, wie es zunächst schien. Die Firma Ochsenfarth war davon ausgegangen, dass allein die Entfernung des Paraloydauftrags und eine vorsichtige Reinigung gute Ergebnisse bringen müsste.
Inzwischen gibt es Spekulationen darüber, ob die Schäden zusätzlich durch ein zerstörtes Bindemittel oder Salzanlagerungen bedingt sind.
31.01.09